Geschichte der Erinnerungskultur
Veröffentlicht am 09.10.2026 / 00:15
Anmerkungen
Kann das weg? Oder muss das ins Museum? Eine Frage, die wir uns heute oft stellen. Und auch ein Blick in die Geschichte zeigt: die Menschen wollten zu allen Zeiten nachfolgende Generationen etwas hinterlassen: Ihre Geschichten, ihre Taten, ihr Wissen, ihre Traditionen. In der Frühzeit bemalten Jäger und Sammler Höhlenwände. Die Römer in der Antike prägten Münzen oder ließen Inschriften in Bauwerke meißeln. Später hielt man die Erinnerungen in Büchern oder Pergamenten fest. Erklärte bestimmte Tage zu Gedenk- oder Feiertagen, baute Archive, Bibliotheken und Datenbanken auf. Doch Erinnern ist untrennbar mit Vergessen verbunden. Und manchmal werden Erinnerungen auch bewusst getilgt, wie in der römischen Antike das Vermächtnis unliebsamer Kaiser oder heutzutage durch das Entfernen von Statuen und Denkmälern, zum Beispiel der Kolonial- oder Diktaturgeschichte. Ein Podcast über unser kollektives Gedächtnis, warum Erinnern und Vergessen zu allen Zeiten wichtig war und die Frage: Was bleibt in unserer digitalen Welt von unseren Erinnerungen einmal übrig?
Interviewpartner*innen:
- Stefan Hördler
- Harriet I. Flower
- Hannah Monyer
- Martin Sabrow
- Torkel Wächter
- Manfred Wichmann
Literatur:
- Assmann, Aleida (1999): Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München: C.H. Beck.
- Assmann, Aleida (2013): Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention. München: C.H. Beck.
- Assmann, Aleida (2016): Formen des Vergessens. Göttingen: Wallstein Verlag.
- Assmann, Jan (1992): Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München: C.H. Beck.
- Beard, Mary (2016): SPQR. Die tausendjährige Geschichte Roms. Frankfurt am Main: S. Fischer (engl. Original: SPQR. A History of Ancient Rome, London 2015).
- Cassius Dio: Römische Geschichte (Buch 77/78). Deutsche Ausgabe z. B. übers. v. Otto Veh, Düsseldorf: Artemis & Winkler / Patmos.
- Flower, Harriet I. (2006): The Art of Forgetting. Disgrace and Oblivion in Roman Political Culture. Chapel Hill: University of North Carolina Press.
- Flower, Harriet I. (1996): Ancestor Masks and Aristocratic Power in Roman Culture. Oxford: Clarendon Press.
- Halbwachs, Maurice (1985): Das kollektive Gedächtnis. Frankfurt am Main: Fischer (frz. Original: La mémoire collective).
- Herodian: Geschichte des Kaisertums nach Mark Aurel (Buch 4). Deutsche Ausgabe, z. B. Stuttgart: Hiersemann.
- Hördler, Stefan (2015): Ordnung und Inferno. Das KZ-System im letzten Kriegsjahr. Göttingen: Wallstein Verlag.
- Monyer, Hannah / Gessmann, Martin (2015): Das geniale Gedächtnis. Wie das Gehirn aus der Vergangenheit unsere Zukunft macht. München: Albrecht Knaus Verlag.
- Nietzsche, Friedrich (1874): Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (Unzeitgemäße Betrachtungen, Zweites Stück). Zahlreiche Ausgaben, z. B. Stuttgart: Reclam.
- Nora, Pierre (1990): Zwischen Geschichte und Gedächtnis. Berlin: Wagenbach (frz. Original: Les Lieux de mémoire, 1984–1992).
- Orwell, George (1949): 1984. Deutsche Ausgabe z. B. Berlin: Ullstein / Frankfurt am Main: S. Fischer.
- Plinius der Ältere: Naturalis historia (Buch 36). Deutsche Ausgabe z. B.: Naturkunde, lat.-dt., hg. u. übers. v. Roderich König, Düsseldorf/Zürich: Artemis & Winkler (Tusculum).
- Sabrow, Martin (Hg.) (2009): Erinnerungsorte der DDR. München: C.H. Beck.
- Sabrow, Martin / Frei, Norbert (Hg.) (2012): Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945. Göttingen: Wallstein Verlag.
- Santayana, George (1905): The Life of Reason. Vol. 1: Reason in Common Sense. New York: Charles Scribner’s Sons (Zitat im Podcast in eigener Übersetzung).
- Schreiter, Christoph / Gerlach, Johann Heinrich (1689): Dissertatio iuridica de damnatione memoriae. Leipzig (Ursprung des Begriffs „Damnatio memoriae“).
- Strabon: Geographika (Buch 17). Deutsche Ausgabe z. B. hg. u. übers. v. Stefan Radt, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
- Tacitus: Annalen (Buch 2, 61 und Buch 4, 35). Deutsche Ausgabe z. B. Stuttgart: Reclam / Düsseldorf: Artemis & Winkler (Tusculum).
- Wächter, Torkel S. (2014): 32 Postkarten. Post aus Nazi-Deutschland. Hamburg: Acabus Verlag.
- Der Brief des Aristeas (Aristeasbrief). Deutsche Ausgabe z. B. in: Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit (JSHRZ), Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.
- Mittelalterliche Schreiber-Kolophone, u. a. der St. Galler Schreibervers (9. Jh.), ein Kolophon in Wien, Österr. Nationalbibliothek, Cod. 2860 (1415), sowie der Kolophon des Hildebertus (Prag, um 1140, in einer Abschrift von Augustinus, „De civitate Dei“).
Internetquellen:
Podcast-Tipp:
„NS-Cliquen – Von Menschen und
Mördern“ – ein Podcast des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR/ARD) mit dem
Historiker Dr. Stefan Hördler über die Täter und Täterinnen der NS-Zeit.
Verfügbar in der ARD Audiothek: www.ardaudiothek.de.
Team:
- Moderation: Mirko Drotschmann
- Sprecher*innen: Juana Guschl, Nils Kretschmer, Makke Schneider
- Buch und Regie: objektiv media GmbH, Janine Funke und Andrea Kath
- Technik: Sascha Schiemann
- Musik: Sonoton
- Produktion: objektiv media GmbH im Auftrag des ZDF
- Redaktion ZDF: Katharina Kolvenbach und Arne Peisker